Kariesprohylaxe und Ernährung

In Gegenwart von Fluorid (z.B. aus der Zahnpaste) findet eine verstärkte Wiedereinlagerung von Mineralien im bereits entkalkten Schmelz statt. Bei kurz aufeinanderfolgenden Säureangriffen kann dieser Schutzmechanismus nicht mehr mithalten und die Entkalkung überwiegt. Nach hundertfach wiederholten Säureangriffen wird die Entkalkung an der Zahnoberfläche als kreidig weisser Fleck sichtbar, dem ersten Anzeichen von Karies. Nach vielen weiteren Säureangriffen bricht die Zahnoberfläche schliesslich ein. Der Schaden ist unumkehrbar: im Zahn ist ein Loch entstanden. Aus den geschilderten Stadien zur Kariesentstehung ist klar ersichtlich, dass die Häufigkeit des Konsums von zuckerhaltigen Speisen und Getränken für die Zahngesundheit entscheidend ist.

Menschen lieben Süsses
Für die Menschheit waren zuckerhaltige Speisen und Getränke über Jahrtausende die grosse Ausnahme auf dem Speisezettel. Erst seit dem letzten Jahrhundert sind diese dank industrieller Herstellung zunehmend billig und somit überall und immer verfügbar geworden. Entsprechend schnell ist der Kariesbefall in den industrialisierten Gesellschaften gestiegen. Inzwischen ist es in vielen Ländern mit hohem Lebensstandard, v.a. durch den verbreiteten Gebrauch von fluoridhaltigen Zahnpasten, gelungen, die Kariesepidemie unter Kontrolle zu bringen und den Kariesbefall, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, wesentlich zu reduzieren. Die Erfolge der Kariesprävention sind bemerkenswert. Verschiedentliche Bemühungen, die eigentliche Kariesursache (den häufigen Konsum von zuckerhaltigen Speisen und Getränken) zu reduzieren, haben sich dagegen als äusserst schwierig umsetzbar erwiesen und sind weitgehend erfolglos geblieben.

Zuviel Süsses macht dick
Neue Impulse im Ernährungsbereich sind entstanden, seitdem gezeigt wurde, dass ein Zusammenhang auch zwischen der Häufigkeit der Einnahme von gezuckerten Speisen und Getränken und Übergewicht besteht. Was für die Kariesvorbeugung erstrebenswert ist (seltene Zuckereinnahme) ist somit auch für die Prävention des Übergewichts von Bedeutung. In Anbetracht der beunruhigende Zunahme des Anteils übergewichtiger Kinder in der Schweiz besteht ein dringender Handlungsbedarf

Es ist nie zu früh...
Es ist bekanntlich sehr schwer, Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Viele Probleme können aber vermieden werden, wenn man einseitige Ernährungsmuster bei Kleinkindern gar nicht erst entstehen lässt. Es ist vorteilhaft, den Babys ab den ersten Breimahlzeiten eine breite Geschmackspalette anzubieten, ohne die Geschmacksrichtung Süss zu bevorzugen. Kleinkinder sollten keinesfalls mit Süssigkeiten getröstet oder beruhigt werden.

Patentrezept gegen zu viel Zucker
Essen Sie höchstens zwei Zwischenmahlzeiten täglich und trinken Sie Leitungswasser statt Softdrinks: Durch die Beschränkung der Einnahme von gezuckerten Speisen und Getränken auf die Hauptmahlzeiten hat man den Zuckerkonsum im Wesentlichen bereits unter Kontrolle. Zum Kariesschutz sind die Zähne nach jeder Hauptmahlzeit mit einer fluoridhaltigen Zahnpaste zu bürsten – diese Regel kennt bereits jeder Kindergärteler. Zwischenmahlzeiten (zwei am Tag genügen) sollten keine gezuckerten Speisen und Getränke enthalten; danach ist Zähnebürsten nicht nötig. Frische Früchte und rohes Gemüse eignen sich besonders als Zwischenmahlzeit. Sie stillen den Hunger länger als die schnell verdaulichen gezuckerten Softdrinks. Dank ihrer Beschaffenheit regen sie beim Kauen die Speichelproduktion stark an, so dass der Zucker aus den Früchten schnell weggespült wird und sich das Zähnebürsten erübrigt.

Bleiben Sie standhaft!
Diese Empfehlungen im Alltag umzusetzen, ist für Eltern und Jugendliche nicht immer einfach. Die allgegenwärtige Werbung fördert den uneingeschränkten Konsum von gezuckerten Modegetränken wie Eistee, Softdrinks oder Energydrinks und den Genuss von zuckerhaltigen Riegeln und Schnitten. Auch die Grossverteiler zeigen, trotz Bekenntnissen und Aktionen zur Förderung der Volksgesundheit, keine Zurückhaltung, wenn es um die umsatzstarken Süssigkeiten geht. Diese türmen sich inzwischen palettweise im Kassenbereich, so dass nicht kaufwillige Eltern in Begleitung ihrer Kinder regelmässig unter Druck geraten

Unterstützung für Eltern und Jugendliche
In diesem schwierigen Umfeld ist es zu befürworten, dass Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen mit gutem Beispiel vorangehen und gesunde Mahlzeiten an bieten. In der Regel entscheiden aber immer noch die Eltern, was ihr Kind als Zwischenmahlzeit in den Kindergarten oder in die Schule mitnimmt. Ab dem Schuljahr 2009/2010 erhalten die Eltern in den Kantonen Zürich, Solothurn und Zug Unterstützung in dieser täglichen Aufgabe: Die Schüler der ersten Primarklasse werden eine persönliche «Znünibox» für den täglichen Transport der Zwischenmahlzeiten sowie einen persönlichen Trink becher erhalten. Die Znünibox wird den Kindern erstmals mit einer frischen Frucht und einem Merkblatt für die Eltern ausgehändigt. Das Merkblatt «Znüni-Tipps» enthält praktische Vorschläge, wie man täglich gesunde Zwischenmahlzeiten zusammenstellen kann. Der Trinkbecher bleibt in der Schule und soll bewirken, dass mehr Leitungswasser anstelle von Softdrinks getrunken wird. Die

Verteilung von Znünibox und Trinkbecher wird von den jeweiligen Schulzahnpflege-Instruktorinnen (SZPI) übernommen, welche die Schulklassen mehrmals jährlich besuchen, um Zahnbürstübungen durchzuführen. SZPI und Lehrpersonen können regelmässig das Thema Znünibox aufgreifen, was die Nachhaltigkeit der vermittelten Informationen erhöht.

Quelle: Zahn Info SSO Nr.4/09

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